Eure Impressionen in der Google Search Console rauschen seit zwei Wochen ab. Bevor jemand das nächste SEO-Audit beauftragt: Das ist nicht euer Ranking. Das ist Google, der einen 11 Monate alten Logging-Fehler korrigiert.
Am 3. April 2026 hat Google offiziell bestätigt, dass die Search‑Console-Impressionen seit dem 13. Mai 2025 systematisch zu hoch ausgewiesen wurden. Mittelständler sehen jetzt einen Rückgang, der keiner ist. (Bild: Collective Brain)
Was Google am 3. April 2026 bestätigt hat
Über die offizielle Data Anomalies-Seite der Search Console hat Google am 3. April 2026 eingeräumt, dass die Impressions-Zahlen im Performance-Bericht seit dem 13. Mai 2025 systematisch zu hoch ausgegeben wurden. Knapp elf Monate lang sah jeder Search Console-Account mehr Impressionen, als tatsächlich auf Suchergebnisseiten ausgespielt wurden. Klicks, durchschnittliche Position und die organischen Sessions in GA4-Tracking-Setups sind nicht betroffen.
Wer also seit Anfang April einen Impressions-Knick zwischen 15 und 40 Prozent sieht, muss seinem CMO erklären: Das ist kein Sichtbarkeitsverlust, sondern Google, der die Bücher gerade macht. Die durchschnittliche Click-Through-Rate, die in den vergangenen Monaten künstlich niedrig wirkte, korrigiert sich automatisch nach oben.
Wer Impressionen als Haupt-KPI führt, trackt seit elf Monaten eine Zahl, die Google selbst nicht mehr verteidigen will. Klicks und Position sind die belastbaren Metriken, bis das Reporting wieder stabil läuft.— Learoy Eichholz, Senior Consultant Collective Brain
Was Mittelständler jetzt am Reporting ändern
Die meisten Mittelstands-Marketing-Teams führen monatliche SEO-Reports, in denen Impressionen als erste Sichtbarkeits-Metrik ganz oben stehen. Das war ein Reflex aus einer Zeit, in der die Zahl belastbar war. Für die nächsten zwei Quartale gilt: Klicks rauf in die erste Zeile, Impressionen runter in den Anhang. Eine sauber gesetzte Annotation an den Ausschlagstellen verhindert, dass im Q3-Review jemand einen Vergleich zieht, der nicht möglich ist.
Zweite Konsequenz: Vergleiche zu Perioden vor dem 13. Mai 2025 sind ab sofort wieder belastbarer als Year-over-Year-Vergleiche, die die Bug-Periode einschließen. Wer einen 24-Monats-Trend braucht, schneidet das Mai-2025-bis-März-2026-Fenster heraus oder kennzeichnet es im Chart explizit.
Der neue Branded-Filter ist ein Geschenk
Während die Branche noch über die Impressions-Korrektur diskutiert, hat Google am 11. März 2026 still und leise eine zweite Änderung ausgerollt: Im Performance-Bericht der Search Console gibt es jetzt einen Branded vs. Non-Branded-Filter, der per KI automatisch klassifiziert. Verfügbar ist die Funktion nach dem ersten Test bei Domain-Properties mit ausreichend Traffic, historische Daten reichen Wochen zurück.
Für Mittelständler ist das ein Reporting-Hebel, den die Branche zehn Jahre lang manuell mit Regex-Filtern gebaut hat. Wer den Filter aktiviert, sieht zum ersten Mal sauber, welcher Anteil der Sichtbarkeit tatsächlich aus organischem Wachstumstraffic kommt und welcher Anteil aus Brand-Suchen besteht, die ohnehin auf der eigenen Marke landen. Der typische Mittelstands-Mix in unseren B2B-Projekten liegt bei 25 bis 45 Prozent Brand-Anteil. Wer das nicht trennt, lässt seine Non-Brand-Performance immer im Schatten der Marken-Suchen verschwinden.
Der Subtext: AI Overviews und der Sichtbarkeitsverlust dahinter
Die Korrektur kommt zu einem unangenehmen Zeitpunkt. AI Overviews tauchen in 48 Prozent der Suchanfragen auf, die Klick-Raten auf Position 1 sind laut aktuellen April-Auswertungen um 34 bis 61 Prozent eingebrochen. Wer den Impressions-Bug nicht herausrechnet, liest die Korrektur als zusätzlichen AI-Overviews-Schaden. Tatsächlich passiert beides parallel: Sichtbarkeit gegen AI-Antworten verlieren ist real, Impressions-Bug-Korrektur dazu ist statistisches Rauschen. Beide Ströme zu trennen ist die einzige Möglichkeit, das nächste Quartals-Reporting nüchtern zu führen.
Mittelständler, die ihre SEO-Strategie 2026 auf reines Ranking-Tracking gestellt haben, müssen jetzt zweigleisig fahren: Klicks und durchschnittliche Position aus der Search Console plus Brand-Erwähnungs-Tracking in den AI-Antworten selbst. Letzteres ist die neue Pflicht-Disziplin, weil ein Zitat in einer AI-Overview im klassischen GSC-Bericht nicht als Klick erscheint.
Häufige Fragen
Sind alle Search Console-Properties betroffen?
Ja. Google hat den Bug auf Plattform-Ebene bestätigt, ohne Einschränkung auf bestimmte Property-Typen. Domain-Properties, URL-Präfix-Properties und alle Länder sind gleichermaßen betroffen. Die Korrektur läuft seit dem 3. April 2026 schrittweise und ist je nach Property in Wellen sichtbar.
Was bedeutet das für meine Impressions-Trendlinie der letzten 12 Monate?
Die komplette Periode vom 13. Mai 2025 bis ungefähr 3. April 2026 ist mit zu hohen Impressions-Werten kontaminiert. Klicks und durchschnittliche Position bleiben in dieser Zeit valide. Year-over-Year-Vergleiche, die in das Bug-Fenster hineingreifen, bitte mit Annotation versehen oder explizit kennzeichnen.
Funktioniert der neue Branded-Filter sofort für jede Domain?
Nicht automatisch für alle Properties. Google klassifiziert per KI und braucht eine Mindest-Traffic-Schwelle, um Branded-Queries zu erkennen. Bei kleineren B2B-Mittelständlern mit unter ungefähr 5.000 Klicks pro Monat erscheint der Filter unter Umständen erst Wochen verzögert. URL-Präfix-Properties sehen den Filter aktuell noch nicht, der Roll-out läuft auf Domain-Properties zuerst.
Soll ich meinen Quartalsbericht neu schreiben?
Den bereits abgegebenen Bericht nicht, aber die Methodik für den nächsten Quartalsbericht. Klicks und durchschnittliche Position als Haupt-KPIs, Impressionen als Kontext-Metrik mit Hinweis auf die Korrektur. Brand-Traffic ab sofort getrennt ausweisen. Ein zweiseitiger Methoden-Abschnitt im Anhang reicht, um den Knick zu dokumentieren.
Wie unterscheide ich AI-Overviews-Sichtbarkeitsverlust von der Impressions-Korrektur?
AI Overviews zeigen sich primär in fallenden Klick-Raten auf Position 1 bis 3, nicht in fallenden Impressionen. Wer also stabile Klicks und stabile Position bei plötzlich fallenden Impressionen sieht, sieht die Bug-Korrektur. Wer fallende Klicks und stabile Position sieht, sieht den AI-Overviews-Effekt. Beide treten oft gleichzeitig auf und müssen einzeln analysiert werden.
Lohnt es sich, jetzt in BigQuery-Export oder Looker Studio zu investieren?
Für Mittelständler ab ungefähr 50.000 Impressionen pro Monat ja. Der BigQuery-Export der Search Console liefert die Rohdaten für 16 Monate rückwirkend, lässt sich mit einer eigenen Branded-Liste filtern und entkoppelt das Reporting von zukünftigen UI-Änderungen. Das Setup-Investment ist überschaubar, der Reporting-Vorteil hält drei bis fünf Jahre.
Quellen & Referenzen
- Google Search Central: Updates & Änderungen (Primary Source)
- Google Search Console: Data Anomalies (Help Center)
- Google Search Central: Search Console Data Reference
- Google: Official Search Blog
- Google Search Console: Performance Report Help
- SEO-Manager.info: SEO News April 2026 (AI Overviews CTR-Studie)
- Wolpers Web: Google Search Console Impressionen-Fehler-Analyse

